top of page

Buchempfehlung: Obenrum frei


Stillen wird häufig vor allem unter physiologischen Gesichtspunkten betrachtet – als Frage der Ernährung, der Technik oder der ausreichenden Versorgung. Darüber hinaus ist es nicht immer einfach, über Stillen zu sprechen, ohne moralische Aufladung oder dogmatische Empfehlung zu transportieren. Ramona Nolls Buch „Obenrum frei“ versteht es, all die wichtigen und wertvollen Aspekte anzusprechen und Eltern zu ermutigen, informierte Entscheidungen zu treffen. Wissen erscheint hier nicht als Regelwerk, sondern als Grundlage für Handlungssicherheit und Selbstbestimmung.

Gerade in der frühen Ernährung ist diese Perspektive bedeutsam.


Besonders überzeugend ist dabei die Haltung, die sich durch das Buch zieht:


"Niemand MUSS stillen. Nicht alle KÖNNEN stillen. Aber die, die WOLLEN, sollen auch können dürfen."

Das Buch versteht Stillen als Beziehungsgeschehen und rückt die Erfahrungen von Eltern und Kind in den Mittelpunkt. Wenn Eltern kindliche Signale einordnen können, entsteht Orientierung. Und dort, wo feinfühlig reagiert wird, sammeln Kinder erste Erfahrungen von Selbstwirksamkeit: Ihr Verhalten hat Wirkung, ihre Bedürfnisse werden wahrgenommen.


Viele dieser Grundgedanken begegnen uns auch in der bedürfnisorientierten Ernährung. Nicht die konkrete Methode steht im Vordergrund – weder beim Stillen noch später am Familientisch –, sondern die Frage, ob sich Eltern und Kind in diesem Prozess sicher erleben können.


Das Buch leistet damit einen wertvollen Beitrag zu einem differenzierten Verständnis: weg von Normen und hin zu einer begleiteten Entwicklung, in der sowohl elterliche als auch kindliche Bedürfnisse Raum haben dürfen. Neben all den wichtigen Themen von A wie Anatomie der Brust bis Z wie Zufüttern oder Zugenband, welche nach aktuellstem Stand der Wissenschaft aufbereitet sind, kommen auch gesellschaftsrelevante Themen wie Feminismus und Stillen in der Öffentlichkeit nicht zu kurz. Besonders wertvoll sind die alltagsrelevanten Passagen, die sich durch das ganze Buch ziehen und das Gefühl geben, in den täglichen Herausforderungen gesehen zu werden.


„Obenrum frei“ eignet sich besonders für (werdende) Eltern, die sich fundierte Informationen wünschen und gleichzeitig ihren eigenen Handlungsspielraum bewahren möchten. Es stärkt Vertrauen, ohne zu idealisieren – und lädt dazu ein, frühe Ernährung als Beziehungsraum zu begreifen, der weit über die Stillzeit hinauswirkt. Das Buch liest sich in einem sehr zugewandten und warmherzigen Ton, in dem auch stets die langjährige Erfahrung und Professionalität der Autorin mitschwingt.


 
 
 

Kommentare


bottom of page